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Ethno-Jazz PDF Print E-mail
Ethno-Jazz ist ein zunÀchst in den 80er Jahren von den Medien aufgebrachter und in seinem Bedeutungsgehalt recht unscharfer Begriff zur Bezeichnung von Bereichen des Jazz, die entweder Elemente ethnischer Musiken verarbeiten oder aber durch die Zusammenarbeit von Jazzmusikern mit Vertretern anderer Musikkulturen gekennzeichnet sind.
Ethno-Jazz wird zeitweilig gleichgesetzt mit World Music oder diese (besonders in der Zeit vor 1990) als sein VorlÀufer angesehen. Der Begriff bezeichnet zunÀchst das Zusammenkommen von (Popular)Musik und Jazz aus nicht- bzw. teil-industrialisierten LÀndern. Er ist analytisch wenig entfaltet, sondern dient primÀr der Vermarktung dieser Musik in den IndustrielÀnder wie USA und Europa.
Der Begriff "Ethno" muss dabei in einem eher metaphorischen "weiten" Sinn verstanden werden und kann in der Regel nicht auf eine spezifische Ethnie bezogen werden. Kennzeichnend ist vielmehr das Fehlen von klar definierten Stilen und die Gleichzeitigkeit von verschiedenen Formalsystemen[2].EigenstĂ€ndige Bedeutung erreicht der Ethno-Jazz ab etwa 1990 mit einsetzender Globalisierung und spĂ€ter weltweitem Internet sowie vor allem kommerziellen Erfolgen von Ethno-Bands und -musikern. Bedeutend werden aus US-amerikanischer und europĂ€ischer Sicht Interpreten aus SchwellenlĂ€ndern, besonders aus den neuen globalen Wachstumszentren SĂŒdostasiens und der Volksrepublik Chinas.

Entwicklung
In zahlreichen globalen Regionen wie Indien, Lateinamerika oder Afrika entstand schon vor diesem Zeitpunkt entsprechende Musik. Als Beispiele sind die Entstehung des Jazz durch die teilweise belegbare musikalische Wechselwirkung zwischen New Orleans und der Karibik, der Afro Cuban Jazz der 1940er/1950er, arabische EinflĂŒsse im Jazz der 1950er und frĂŒhen 1960er, indische und balinesische EinflĂŒsse in der Musik Don Cherrys und im Rockjazz der 1970er und die Bedeutung der sĂŒdafrikanischen Kwelamusik in der britischen Jazzszene aufgrund der Begegnungen mit Chris McGregor oder Louis Moholo zu nennen. Andererseits hat Jazzmusik bereits seit den 1930ern die Musik in zahlreichen LĂ€ndern Asien, Afrikas und Lateinamerikas verĂ€ndert. Hier ist fĂŒr die 1950er die Kwelamusik SĂŒdafrikas ebenso zu nennen wie fĂŒr die 1960er Mulatu Astatkes Verschmelzung von westlichem Jazz, lateinamerikanischer Musik und traditioneller Ă€thiopischer Musik oder Gato Barbieris Synthese aus freiem Jazz, argentinischer und brasilianischer "musica popular".
Teilweise unabhĂ€ngig von diesen Entwicklungen versuchten Musikproduzenten wie Joachim Ernst Berendt bereits seit den 1960ern, einen direkten Crossover dadurch herzustellen, in dem sie unter dem Motto Jazz meets the world musikalische Begegnungen von Musikern aus einzelnen LĂ€ndern des SĂŒdens mit Jazzmusikern herstellten. Diese Begegnungen funktionierten insbesondere dann, wenn sich die Jazzmusiker auf die Tonsprachen der entsprechenden Musiken einließen. Hier sind die Begnungen von Tony Scott mit den Indonesian All Stars oder von John Handy (und Ă€hnlich auch von Charlie Mariano) mit indischen Musikern besonders hervorzuheben, aber auch das Zusammenspiel von Ornette Coleman mit den marokkanischen Meistermusikern aus Joujouka: Coleman "hatte ein Thema gefunden, eine Art Riff, das ein perfektes Bindeglied zwischen seinem Idiom und dem ihren war, und indem er beim Spielen dirigierte, gelang es ihm, um dieses Riff herum eine ganze Symphonie wechselnder Texturen zu weben. Und er entwickelte das StĂŒck in drei SĂ€tzen, so dass es eine reiche formale Symmetrie hatte."
Ethno-Jazz bedeutet besonders ab den 1990er Jahren zwar Jazz gemĂ€ĂŸ US-amerikanischer und europĂ€ischer Auffassung, aber durchsetzt mit typischen musikalischen Merkmalen nicht-vorherrschender Kulturen. Dies sind zum einen musikalische Traditionen nicht-nordamerikanischer und nicht-europĂ€ischen Regionen, besonders der heutigen sĂŒdostasiatischen und chinesischen Wachstumszentren. Dies können aber auch lange randstĂ€ndige europĂ€ische Traditionen, wie etwa die der Saamen, der Roma, der Sinti oder auch alpiner Bevölkerungsgruppen ("Alpenfusion") sein oder aber Traditionen der US-amerikanischen Ureinwohner, wie sie in den StĂŒcken von Jim Pepper beispielhaft mit der Jazzidiomatik verbunden wurden.
OberflĂ€chlich (aus US-amerikanischer und europĂ€ischer Sicht) erscheint Ethno-Jazz manchmal gar nicht als Jazz, weil einerseits die Themen aus anderem Tonmaterial sind, andererseits auch ursprĂŒnglich charakteristische Elemente des Jazz wie der Swing fehlen. Auch treten neben jazzgeprĂ€gte Improvisationen solche, die auf jazzfremden, ethnischen Skalen und Metren und IntervallsprĂŒngen beruhen. Dies ist etwa in der Musik von Rabih Abou-Khalil, von Sainkho Namtchylak, von NguyĂȘn LĂȘ, von Adrian Gaspar, von Nana Simopoulos oder von Dino Saluzzi deutlich festzustellen. Möglicherweise fehlt neben der musikalischen Analyse derzeit noch ein geeigneter Wertmaßstab, um genau bestimmen zu können, wann es sich um Ethno-Jazz handelt und wann nicht.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Ethno-Jazz aus der freien EnzyklopĂ€die Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz fĂŒr freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfĂŒgbar.
 

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